Bereits den Gelehrten des Altertums wie Aristoteles, Hippokrates und Plinius war die Existenz eines brennbaren Stoffes im Wein bekannt. Um so verwunderlicher scheint, dass der Zeitpunkt der Erfindung der Destillation bis zum heutigen Tag ein Rätsel bleibt.
Die Technik der Destillation wird im 12. Jhdt. erstmals erwähnt. Magister Salernus ( +1167) schildert in seinen Schriften die Gewinnung von „acqua ardens“ aus Wein. In Deutschland sind aus dieser Zeit auch die Arbeiten des Alchimisten und Bischof zu Regensburg Albertus Magnus (1193 – 1280) bekannt, der sich mit der Destillation des Weines und der Konstruktion von Destillationsapparaten beschäftigt.
Die berühmtesten Gelehrten des 12. und 13. Jhdts. beschäftigen sich in ihren wissenschaftlichen Werken mit der Gewinnung von Alkohol durch Destillation. Arnoldus Villanovanus (1235 – 1313) spricht in seinem Buch über die Weine von „acqua vitae sive ardens“ und Raymundus Lullus (1234 – 1315) beschreibt in seinem Werk „Sekretorum Naturae seu Quintae essentiae“ detailliert die Gewinnung von hochrektifiziertem Spiritus, der als „Quintae essentia“ zur Bereitung des „Steins der Weisen“ dienen solle.
Ebenfalls aus dem 12. und 13. Jahrhundert stammen Berichte, dass bereits im 4. Jhdt. die Alchimisten Synesios und Zosimos mit gläsernen Retorten, genannt „Alembikos“ aus altem, rotem Wein „Feuerwasser“ destilliert haben sollen. Angeblich soll Marcus Graecus im 8. Jhdt. in seinem „Feuerbuch“ die Vorschriften zur Gewinnung von „Feuerwasser“ beschreiben.
All diese erst Jahrhunderte später aufgezeichneten Angaben werden aber heute von Wissenschaftlern und Historikern angezweifelt. Somit ist eigentlich nur belegt, dass die geheimnisvolle Kunst der Destillation über Jhdte. im Verborgenen gepflegt und entwickelt worden ist. Von den Gelehrten an ihre Schüler weiter gegeben, diente die Destillation alchimistischen Forschungen und nicht der Erzeugung von Genussmitteln.
Über Jahrhunderte handeln alle Werke vornehmlich von der medizinischen Wirkung der destillierten Wurzeln und Kräuter. Niemals ist die Rede davon, dass der „Brandte Wein“ als Tischgetränk genossen wurde.
Verwunderlich ist dies vor allem deshalb, weil in den Jahrhunderten seit der Erfindung der Destillation niemand auf die Idee gekommen sein soll, Obst zu destillieren. Führt man sich vor Augen, dass bei uns seit 6 Jahrtausenden Obstbau betrieben wird und die Gärung der Früchte bei langer Lagerung von selbst startet, ist das kaum vorstellbar.
Der Obstbrand teilt also das Schicksal des „verborgenen Ursprungs“ mit vielen anderen Kulturgütern. Wie auch diese Produkte, ist auch der Obstbrand edler Qualität als Digestif wichtiger Bestandteil gehobener Tischkultur.

|